Mitochondrien: It’s all about energy

Mitochondrien: It’s all about energy

Mitochondrien sind weit mehr als die klassischen „Kraftwerke der Zelle“. Die aktuelle Übersichtsarbeit „Mitochondria: It is all about energy“ macht deutlich, dass sie eine zentrale Rolle in nahezu allen biologischen Prozessen spielen, und damit auch im Ursprung vieler chronischer Erkrankungen.

Im Kern geht es dabei um eine einfache, aber fundamentale Wahrheit: Gesundheit ist eine Frage der Energieverfügbarkeit.

Mitochondrien produzieren den universellen Energieträger ATP über die oxidative Phosphorylierung (OXPHOS). Dieser Prozess ist hocheffizient und liefert ein Vielfaches der Energie im Vergleich zur Glykolyse. Ohne diese Form der Energiegewinnung wäre der menschliche Organismus auf eine deutlich ineffizientere Stoffwechselstrategie angewiesen. Entsprechend ist eine stabile mitochondriale Funktion essenziell, um die biologische Organisation und Leistungsfähigkeit des Körpers aufrechtzuerhalten.

Doch Mitochondrien sind nicht nur Energieproduzenten. Sie fungieren als zentrale Steuer- und Kommunikationszentren im Körper. Sie regulieren den Calcium- und Eisenhaushalt, sind an der Produktion von Hormonen und Neurotransmittern beteiligt und stehen in enger Wechselwirkung mit dem Immunsystem, dem Darmmikrobiom sowie dem circadianen Rhythmus. Damit bilden sie eine Art integrativen Knotenpunkt, über den unterschiedliche Körpersysteme miteinander verbunden sind.

Diese zentrale Rolle erklärt, warum mitochondriale Dysfunktion mit einer Vielzahl chronischer Erkrankungen in Verbindung steht. Dazu zählen unter anderem metabolische Erkrankungen, neurodegenerative Prozesse wie Alzheimer und Parkinson, kardiovaskuläre Erkrankungen sowie chronische Entzündungszustände. Gemeinsam ist diesen Krankheitsbildern häufig eine gestörte Energieproduktion auf zellulärer Ebene.

Ein entscheidender Mechanismus dabei ist der sogenannte metabolische Switch von der oxidativen Phosphorylierung hin zur aeroben Glykolyse, auch bekannt als Warburg-Effekt. Während die Glykolyse kurzfristig Vorteile für Zellwachstum und Reparatur bieten kann, führt eine dauerhafte Dominanz dieses Stoffwechselweges zu einer ineffizienten Energieproduktion, erhöhtem Entzündungsniveau und tiefgreifenden metabolischen Störungen.

Die Ursachen für diesen Shift sind eng mit der modernen Lebensweise verknüpft. Bewegungsmangel, chronischer Stress, Schlafstörungen, übermässige Kalorienzufuhr sowie Umweltfaktoren und bestimmte Medikamente tragen dazu bei, die mitochondriale Funktion zu beeinträchtigen. Diese Faktoren fördern eine chronische niedriggradige Entzündung, die wiederum die Mitochondrien weiter schädigt – ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist der Mensch jedoch nicht für einen konstanten Energieüberschuss ohne Reize gemacht. Vielmehr haben sich Mitochondrien unter Bedingungen entwickelt, die durch wechselnde Belastung und Anpassung geprägt waren. Genau hier setzt das Konzept der Hormesis an. Kurzzeitige, kontrollierte Stressreize wie körperliche Aktivität, intermittierendes Fasten, Kälte oder Hitze können die mitochondriale Funktion gezielt verbessern. Sie fördern Anpassungsprozesse, erhöhen die Effizienz der Energieproduktion und stärken die Resilienz des Organismus.

Im Kontext der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI) bestätigt diese Arbeit eine zentrale Grundannahme: Viele chronische Erkrankungen sind nicht primär strukturelle Probleme, sondern Ausdruck einer gestörten Energieverteilung und -regulation. Wenn Energie fehlt oder falsch priorisiert wird, geraten komplexe Systeme wie Immunsystem, Gehirn und Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht.

Damit wird deutlich, dass Mitochondrien weit mehr sind als Zellbestandteile, sie sind die Grundlage für Anpassungsfähigkeit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Oder, wie es die Studie treffend zusammenfasst:
It’s all about energy.


FAQ

1. Warum sind Mitochondrien so wichtig für die Gesundheit?

Sie produzieren ATP – die Energiebasis für alle Zellfunktionen und damit für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

2. Was bedeutet „It’s all about energy“ im Zusammenhang mit Gesundheit?
Der Leitsatz beschreibt, dass Gesundheit primär von der Energieverfügbarkeit auf Zellebene abhängt. Ist die Energieproduktion gestört, können wichtige biologische Prozesse nicht optimal ablaufen.

3. Was ist eine mitochondriale Dysfunktion?
Eine gestörte Energieproduktion (ATP), die mit vielen chronischen Erkrankungen verbunden ist.

4. Was ist der Warburg-Effekt und warum ist er problematisch?
Ein Wechsel zur ineffizienten Glykolyse – führt zu Energiemangel und Entzündungen.

5. Wie kann man die Mitochondrien stärken?
Gezielte Reize wie Bewegung, intermittierendes Fasten, Kälte- oder Hitzereize (Hormesis) verbessern die mitochondriale Funktion, steigern die Energieeffizienz und fördern die Resilienz des Körpers.

Quellangaben
Author:
Amaloha Casanova, Anne Wevers, Santiago Navarro-Ledesma, Leo Pruimboom
Publisher :
Frontiers in Physiology
Originaltitel:

Mitochondria: It is all about energy

Updated
May 4, 2026
Ausgesucht von:
kPNI Swiss
Geprüft durch:
kPNI Swiss