Omega-3-Fettsäuren: Warum Blutspiegel wichtiger sind als die reine Einnahme

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Omega-3-Fettsäuren: Warum Blutspiegel wichtiger sind als die reine Einnahme
Erkenntnisse  von Prof. Dr. med. Clemens von Schacky am Healthy Aging Kongress 2023 der ETH  Zürich
Am Healthy Aging Kongress  2023 an der ETH Zürich sprach der Kardiologe Prof. Dr. med. Clemens von  Schacky über die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren für Herz, Gehirn und  Entzündungsprozesse.
Im Zentrum seines Vortrags  stand eine zentrale Aussage: Entscheidend ist nicht primär, wie viele  Omega-3-Fettsäuren konsumiert werden, sondern welche Spiegel tatsächlich im  Körper erreicht werden.
Dabei argumentierte von  Schacky konsequent evidenzbasiert und orientierte sich an klinischen  Endpunkten wie Gesamtmortalität, Herzinfarkt oder Schlaganfall – nicht nur an  klassischen Surrogatparametern.

Zellmembran  statt Einzelwirkstoff
Omega-3-Fettsäuren wirken  laut von Schacky nicht über einen einzelnen Mechanismus. Vielmehr  beeinflussen sie die Zusammensetzung der Zellmembran und damit zahlreiche  biologische Prozesse gleichzeitig.
Dazu gehören unter anderem:
·       Signaltransduktion
·       Entzündungsregulation
·       Funktion von Ionenkanälen
·       elektrische Stabilität des Herzens
·       neuronale Funktionen im Gehirn
Besonders relevant sind EPA  (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Diese Fettsäuren werden  direkt in Zellmembranen eingebaut und modulieren dort die Funktion  eingelagerten Proteine.
Gerade im Herzmuskel ist  dies bedeutsam. Laut Vortrag benötigt bereits ein einzelner Herzschlag das  koordinierte Zusammenspiel zahlreicher Ionenkanäle, deren Funktion von der  Membranumgebung beeinflusst wird.

Pflanzliche  Omega-3-Quellen reichen oft nicht aus
Ein zentraler Punkt des  Vortrags war die begrenzte Umwandlung pflanzlicher Alpha-Linolensäure (ALA)  in EPA und DHA.
Von Schacky stellte klar:  Der Mensch kann ALA nur sehr eingeschränkt in die biologisch relevanten  Omega-3-Fettsäuren umwandeln. DHA kann teilweise zurück zu EPA metabolisiert  werden, die Umwandlung von ALA zu DHA ist jedoch minimal.
Besonders kritisch sieht er  deshalb die Annahme, pflanzliche Omega-3-Quellen würden automatisch zu  ausreichend hohen DHA-Spiegeln führen.
Als Hinweis dafür nannte er  Bevölkerungsdaten aus Kanada. Trotz hoher ALA-Zufuhr blieben die  Omega-3-Spiegel dort im Durchschnitt niedrig.

Warum  viele Omega-3-Studien scheitern
Ein zentrales Thema des  Vortrags war die Kritik an klassischer Ernährungsforschung.
Laut von Schacky  konzentriert sich konventionelle Ernährungsforschung hauptsächlich darauf,  was Menschen konsumieren – nicht darauf, welche Spiegel tatsächlich im Körper  ankommen. Genau darin liege ein grundlegendes methodisches Problem.
Besonders deutlich werde  dies bei der Bioverfügbarkeit: Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren kann sich  individuell massiv unterscheiden. Zudem spielt die Mahlzeitenzusammensetzung  eine entscheidende Rolle.
Werden Omega-3-Fettsäuren  zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen, steigt die  Bioverfügbarkeit laut Vortrag massiv an.
Dadurch können identische  Dosierungen bei verschiedenen Personen völlig unterschiedliche Blutspiegel  erzeugen.
Der  Omega-3-Index als Biomarker
Im Zentrum des Vortrags  stand der sogenannte Omega-3-Index.
Dabei werden EPA und DHA in  den Erythrozyten gemessen. Laut von Schacky ist diese Methode biologisch  stabiler und aussagekräftiger als Messungen im Plasma.

Als Zielbereich definierte  er einen Omega-3-Index von:
8–11 %
Werte unterhalb dieses  Bereichs seien in westlichen Ländern häufig. Werte oberhalb davon dagegen  selten.
Von Schacky betonte  mehrfach: Omega-3-Fettsäuren seien keine Medikamente, sondern physiologische  Substanzen. Deshalb müsse die individuelle Ausgangssituation in Studien und  Therapie berücksichtigt werden.
Zusammenhang  mit Gesamtmortalität und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Im weiteren Verlauf  präsentierte von Schacky epidemiologische und interventionelle Daten zum  Zusammenhang zwischen Omega-3-Spiegeln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Dabei verwies er unter  anderem auf:
·       Framingham-Daten
·       Women's Health Initiative
·       Meta-Analysen
·       Interventionsstudien nach  Herzinfarkt
Personen mit höheren  Omega-3-Indizes hatten laut den präsentierten Daten:
·       geringere Gesamtmortalität
·       weniger Schlaganfälle
·       weniger koronare Ereignisse
·       geringeres Risiko für plötzlichen  Herztod
Besonders hervorgehoben  wurde der Zusammenhang zwischen niedrigen Omega-3-Spiegeln und plötzlichem  Herztod.
Von Schacky erklärte dies  unter anderem mit der elektrischen Stabilisierung der Herzmuskelzellen und  der Modulation von Ionenkanälen durch EPA und DHA.

Das  Gehirn braucht DHA
Ein weiterer Schwerpunkt  war die Rolle von Omega-3-Fettsäuren im Gehirn.
DHA sei die wichtigste  Strukturfettsäure des Gehirns und müsse kontinuierlich über die Ernährung  zugeführt werden.
Laut den vorgestellten  Daten korrelieren höhere Omega-3-Spiegel unter anderem mit:
·       besserer Kognition
·       geringerer Demenzrate
·       besserer Hirndurchblutung
·       geringerer neuroinflammatorischer  Aktivität
·       stabileren neuronalen Membranen
Auch bei traumatischen  Hirnverletzungen – etwa im Sport – wurden Zusammenhänge mit Biomarkern  neuronaler Schädigung gezeigt.

Psychiatrie  und Omega-3
Von Schacky ging zudem auf  psychiatrische Erkrankungen ein.
Er präsentierte Daten,  wonach Personen mit Depressionen im Durchschnitt niedrigere Omega-3-Indizes  aufweisen. Interventionelle Studien hätten gezeigt, dass eine Verbesserung  der Spiegel mit einer Verbesserung depressiver Symptome korrelieren könne.
Er erwähnte ausserdem:
·       Zusammenhänge mit posttraumatischen  Belastungsreaktionen
·       Daten aus militärischen Populationen
·       mögliche Zusammenhänge mit  Suizidalität

Sicherheit:  Nicht die Dosis entscheidet, sondern der Spiegel
Zum Abschluss thematisierte  von Schacky die Sicherheit von Omega-3-Fettsäuren.
Er betonte: Nicht die  absolute Dosierung sei entscheidend, sondern der erreichte Blutspiegel.
Zu hohe Spiegel könnten  unter anderem:
·       die Blutungsneigung erhöhen
·       das Risiko für Vorhofflimmern  beeinflussen
Dabei beschrieb er eine  U-förmige Beziehung: Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Omega-3-Spiegel  könnten problematisch sein. Das geringste Risiko liege im definierten  Zielbereich.

Fazit
Der Vortrag von Prof. Dr.  med. Clemens von Schacky zeigte ein zentrales Muster: Omega-3-Fettsäuren  sollten nicht primär als Nahrungsergänzung, sondern als biologischer  Regulator von Zellfunktionen verstanden werden.
Im Fokus stehen dabei:
·       individuelle Blutspiegel
·       Bioverfügbarkeit
·       personalisierte Dosierung
·       klinische Endpunkte statt reine  Surrogatmarker
Die präsentierten Daten  sprechen laut Vortrag dafür, dass ein niedriger Omega-3-Index mit zahlreichen  kardiovaskulären, neurologischen und psychiatrischen Risiken assoziiert ist.
Gleichzeitig wurde  deutlich: Eine differenzierte Betrachtung ist notwendig. Weder pauschale  Supplementation noch reine Dosierungsangaben reichen aus. Entscheidend bleibt  laut von Schacky die individuelle Messung und Interpretation biologischer  Spiegel.
 
Quellangaben
Author:
Prof. Dr. med. Clemens von Schacky
Publisher :
kPNI Swiss
Originaltitel:

Kongressreview
Updated
May 6, 2026
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